Bonitätsranking 2026: Reichersberg ist Oberösterreichs Nummer 1 – und Taiskirchen?
Das KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung hat am 22. Oktober sein 15. Bonitätsranking veröffentlicht. Österreich-Sieger ist erstmals Tweng in Salzburg, in Oberösterreich liegt mit Reichersberg eine Gemeinde aus unserem Bezirk Ried ganz vorne. Die wichtigere Nachricht steckt aber im Kleingedruckten: Die Finanzlage der Gemeinden wird spürbar enger.
Das Podium 2026
Die Salzburger Gemeinde Tweng holt sich erstmals den ersten Platz. Dahinter folgen Parbasdorf in Niederösterreich und – wie schon öfter in den vergangenen Jahren – Niederndorf in Tirol.
Salzburg ist insgesamt das stärkste Bundesland: Rund drei von zehn Salzburger Gemeinden liegen im besten Zehntel Österreichs, unter den ersten 50 Plätzen stammen 14 Gemeinden aus Salzburg. Das KDZ führt das auf hohe Einnahmen aus Ertragsanteilen und eigenen Steuern, Bevölkerungszuwachs und eine geringer gestiegene Transferbelastung zurück.
Die Bundeslandsieger
| Bundesland | Bestplatzierte Gemeinde | Anmerkung |
|---|---|---|
| Salzburg | Tweng | auch Österreich-Sieger |
| Niederösterreich | Parbasdorf | Österreich-Platz 2 |
| Tirol | Niederndorf | Österreich-Platz 3 |
| Oberösterreich | Reichersberg | Bezirk Ried im Innkreis |
| Steiermark | Peggau | |
| Vorarlberg | Reuthe | |
| Burgenland | Badersdorf | |
| Kärnten | Schiefling am Wörthersee | wie schon 2025 |
Ein Erfolg für das Innviertel
Dass mit Reichersberg eine Gemeinde aus dem Bezirk Ried die oberösterreichische Wertung anführt, ist bemerkenswert. Noch 2024 war der Bezirk mit nur zwei Gemeinden (Geinberg und Gurten) in den Top 250 vertreten, nachdem Geinberg 2021 sogar Österreich-Dritter gewesen war. 2025 waren es dann wieder fünf Rieder Gemeinden: Geinberg, Gurten, Reichersberg, St. Martin im Innkreis und Mettmach.
Oberösterreich selbst liegt im Bundesländervergleich im Mittelfeld: Die Gemeinden verteilen sich laut KDZ ziemlich genau zur Hälfte auf die obere und die untere Hälfte der Rangliste.
Die Hürde wird immer niedriger – und das ist kein gutes Zeichen
Bewertet wird nach dem Schulnotenprinzip: je niedriger die Note, desto besser. Um es unter die besten 250 zu schaffen, reichte heuer eine Note von 2,29. Ein Jahr zuvor brauchte es noch 2,00, im Ranking 2024 sogar 1,89. Die Gemeinden sind also nicht besser geworden – das gesamte Feld ist schlechter geworden.
Als Gründe nennt das KDZ vor allem die Inflation, die steigenden Transferzahlungen an die Länder und immer mehr Aufgaben für die Gemeinden. Selbst ein guter Rang bedeutet daher nicht automatisch viel Spielraum – entscheidend ist, ob nach dem laufenden Betrieb noch Geld für Investitionen übrig bleibt.
Warum es oberösterreichische Gemeinden schwerer haben
Ein großer Faktor sind die Umlagen, die Gemeinden an das Land abführen müssen (Krankenanstalten-, Landes- und Sozialhilfeumlage). Hier gibt es enorme Unterschiede zwischen den Bundesländern:
Was das Ranking eigentlich misst
Wichtig zur Einordnung: Das Ranking zeigt nicht, wie „reich“ eine Gemeinde ist, sondern wie viel finanziellen Spielraum sie hat. Grundlage ist der KDZ-Quicktest mit fünf Kennzahlen aus den Rechnungsabschlüssen:
- Öffentliche Sparquote – wie viel vom laufenden Haushalt übrig bleibt
- Freie Finanzspitze – was nach Tilgungen für Neues verfügbar ist
- Eigenfinanzierungsquote – wie weit Ausgaben aus eigener Kraft gedeckt sind
- Verschuldungsdauer – wie viele Jahre die Schuldentilgung theoretisch dauern würde
- Schuldendienstquote – welcher Anteil der Einnahmen für Zinsen und Tilgung draufgeht
Jede Kennzahl ergibt Punkte nach einem Notenschlüssel, daraus entsteht pro Jahr eine Gesamtnote. Der Durchschnitt der drei Jahre 2022 bis 2024 ist der Bonitätswert. Ein einzelnes Jahr mit großen Investitionen – etwa ein Schul- oder Kanalbau – kann eine Gemeinde daher spürbar zurückwerfen, obwohl sie solide wirtschaftet.