Pfarrkirche Hll. Simon und Judas · Taiskirchen im Innkreis

Weihe 12. Mai 1455 Spätgotische Hallenkirche Geläut seit 1949: 4 Glocken · 4.380 kg

Die Anekdote

Pfarrfest, 27. September 2026

Mitten im Festbetrieb schauten die ersten nach oben. Die Glocken läuteten, und der Kirchturm wackelte. Nicht unmerklich, sondern so, dass man es von unten mit freiem Auge sehen konnte: Der obere Teil des Turms bewegte sich im Takt des Geläuts mit.

Der Bereich rund um die Kirche wurde daraufhin großräumig abgesperrt. Eine Fachfirma rückte an und untersuchte den Turm, unter anderem mit einer Drohne. Das Ergebnis: keine Gefahr.

Gewackelt wird trotzdem weiter. Wer beim Läuten vor der Kirche steht und genau hinschaut, sieht den Turm oben schwanken.

Warum ein Turm beim Läuten schwingt

Läutende Glocken sind Pendel aus Bronze. Die vier Glocken in Taiskirchen wiegen zusammen rund 4,4 Tonnen. Jeder Schwung drückt seitlich auf Glockenstuhl und Mauerwerk. Trifft der Takt der Glocken ungefähr die Eigenfrequenz des Turms, schaukelt sich die Bewegung auf, ähnlich wie bei einer Schaukel, die man im richtigen Moment anstößt. Eine sichtbare Bewegung ist also physikalisch erklärbar und muss nicht auf einen Schaden hindeuten. Genau das klärt eine Prüfung wie die vom Herbst 2026.

1455

Weihbischof Sigismund von Passau weiht Kirche, Altäre, Friedhof und zwei Glocken.

1730

Dechant Franz Christoph Pachmayr erhöht den Kirchturm.

1839

Der Turm wird repariert.

15. 8. 1922

Ein schwerer Sturm bricht das Turmkreuz ab. Es stürzt über das Kirchendach zu Boden.

1975/76

Das Gebälk des Kirchturms ist „ganz vermorscht“. Im September 1976 wird der Turm eingerüstet und mit Kupferblech neu gedeckt.

Herbst 2026

Turm wackelt beim Läuten. Absperrung, Drohnenprüfung, Entwarnung.

Von oben

Die Kirche aus der Luft

Drohnenflug über Taiskirchen, April 2024

Glockengeschichte

Dreimal neu gegossen, zweimal im Krieg verloren

Die älteste große Glocke trug die Aufschrift „Gegossen zu Landshut 1507“. Sie wurde 1889 eingeschmolzen, als Rupert Gugg aus Braunau ein neues Geläut goss. Im Ersten Weltkrieg mussten drei Glocken abgeliefert werden, im Zweiten wieder. Am 22. und 23. Jänner 1942 durfte nur das kleinste Glöckchen, das Sterbeglöckchen, im Turm bleiben.

Aus der Pfarrchronik

Fünfhundert Jahre in Jahreszahlen

    Kuriositäten

    Was sonst noch in der Chronik steht

    2 Uhr früh

    Der Nachtwächter läutet

    Es bestand „die alte und lange Gewohnheit“, dass der Nachtwächter das Gebeläut um 2 Uhr früh besorgte. Pfarrer Franz Mayrhofer notierte das in der ersten Pfarrchronik ab 1878.

    7.000 Menschen

    Ein Fest wie ein Stadtfest

    Zur Seligsprechung des Johannes Cantius am 23. Oktober 1768 hielten Münchner Jesuiten eine Mission. Über 4.000 Beichtende, bei der Schlussprozession rund 7.000 Menschen.

    10.000 Gulden

    Der Graf aus Prag

    Graf Heinrich Topor Morawitzky verkaufte Wiesen, Äcker, Wälder und Weiher, verprasste zur Krönung Leopolds II. in Prag 10.000 Gulden und starb 1797 hoch verschuldet.

    1667

    Im Kerker von Passau

    Pfarrer Martin Gsöll wurde wegen Verletzung des Zölibats in Passau eingesperrt und starb im Kerker.

    16. 8. 1927

    Taiskirchen im Radio Wien

    Pfarrkind Hans Weirathmüller hielt im Radio Wien einen Vortrag zum Thema „Maschine und Kunst“.

    1925

    Die besten Steiger

    Beim neuen Turmkreuz waren laut Chronik „die besten Steiger“ die Zimmerleute Felix Hofinger und Michael Hörmandinger sowie Schlosser Saloberger.

    Quellen

    Häuserchronik Taiskirchen, Abschnitt Pfarrgeschichte (Buch, S. 48–55) Ergänzend: Oberösterreich Tourismus (Einträge „Pfarrkirche Taiskirchen“ und „Pfarrkirche Hl. Simon/Judas“).

    Die Schilderung vom Pfarrfest 2026 beruht auf Beobachtungen vor Ort. Der Prüfbericht der Fachfirma liegt dieser Seite nicht vor.