Der Nachtwächter läutet
Es bestand „die alte und lange Gewohnheit“, dass der Nachtwächter das Gebeläut um 2 Uhr früh besorgte. Pfarrer Franz Mayrhofer notierte das in der ersten Pfarrchronik ab 1878.
Pfarrkirche Hll. Simon und Judas · Taiskirchen im Innkreis
Die Anekdote
Mitten im Festbetrieb schauten die ersten nach oben. Die Glocken läuteten, und der Kirchturm wackelte. Nicht unmerklich, sondern so, dass man es von unten mit freiem Auge sehen konnte: Der obere Teil des Turms bewegte sich im Takt des Geläuts mit.
Der Bereich rund um die Kirche wurde daraufhin großräumig abgesperrt. Eine Fachfirma rückte an und untersuchte den Turm, unter anderem mit einer Drohne. Das Ergebnis: keine Gefahr.
Gewackelt wird trotzdem weiter. Wer beim Läuten vor der Kirche steht und genau hinschaut, sieht den Turm oben schwanken.
Läutende Glocken sind Pendel aus Bronze. Die vier Glocken in Taiskirchen wiegen zusammen rund 4,4 Tonnen. Jeder Schwung drückt seitlich auf Glockenstuhl und Mauerwerk. Trifft der Takt der Glocken ungefähr die Eigenfrequenz des Turms, schaukelt sich die Bewegung auf, ähnlich wie bei einer Schaukel, die man im richtigen Moment anstößt. Eine sichtbare Bewegung ist also physikalisch erklärbar und muss nicht auf einen Schaden hindeuten. Genau das klärt eine Prüfung wie die vom Herbst 2026.
Weihbischof Sigismund von Passau weiht Kirche, Altäre, Friedhof und zwei Glocken.
Dechant Franz Christoph Pachmayr erhöht den Kirchturm.
Der Turm wird repariert.
Ein schwerer Sturm bricht das Turmkreuz ab. Es stürzt über das Kirchendach zu Boden.
Das Gebälk des Kirchturms ist „ganz vermorscht“. Im September 1976 wird der Turm eingerüstet und mit Kupferblech neu gedeckt.
Turm wackelt beim Läuten. Absperrung, Drohnenprüfung, Entwarnung.
Von oben
Glockengeschichte
Die älteste große Glocke trug die Aufschrift „Gegossen zu Landshut 1507“. Sie wurde 1889 eingeschmolzen, als Rupert Gugg aus Braunau ein neues Geläut goss. Im Ersten Weltkrieg mussten drei Glocken abgeliefert werden, im Zweiten wieder. Am 22. und 23. Jänner 1942 durfte nur das kleinste Glöckchen, das Sterbeglöckchen, im Turm bleiben.
Aus der Pfarrchronik
Kuriositäten
Es bestand „die alte und lange Gewohnheit“, dass der Nachtwächter das Gebeläut um 2 Uhr früh besorgte. Pfarrer Franz Mayrhofer notierte das in der ersten Pfarrchronik ab 1878.
Zur Seligsprechung des Johannes Cantius am 23. Oktober 1768 hielten Münchner Jesuiten eine Mission. Über 4.000 Beichtende, bei der Schlussprozession rund 7.000 Menschen.
Graf Heinrich Topor Morawitzky verkaufte Wiesen, Äcker, Wälder und Weiher, verprasste zur Krönung Leopolds II. in Prag 10.000 Gulden und starb 1797 hoch verschuldet.
Pfarrer Martin Gsöll wurde wegen Verletzung des Zölibats in Passau eingesperrt und starb im Kerker.
Pfarrkind Hans Weirathmüller hielt im Radio Wien einen Vortrag zum Thema „Maschine und Kunst“.
Beim neuen Turmkreuz waren laut Chronik „die besten Steiger“ die Zimmerleute Felix Hofinger und Michael Hörmandinger sowie Schlosser Saloberger.
Häuserchronik Taiskirchen, Abschnitt Pfarrgeschichte (Buch, S. 48–55) Ergänzend: Oberösterreich Tourismus (Einträge „Pfarrkirche Taiskirchen“ und „Pfarrkirche Hl. Simon/Judas“).
Die Schilderung vom Pfarrfest 2026 beruht auf Beobachtungen vor Ort. Der Prüfbericht der Fachfirma liegt dieser Seite nicht vor.