Kinderbetreuungsatlas 2026
Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat heute, am 3. November 2026, ihren neuen Kinderbetreuungsatlas veröffentlicht. Das Fazit: Bei Kindergärten hat sich einiges verbessert, bei der Betreuung der Kleinsten bleibt Oberösterreich aber deutlich hinter dem EU-Ziel zurück.

Was ist das Barcelona-Ziel?
Schon 2002 haben sich die EU-Staaten in Barcelona auf Zielwerte für die Kinderbetreuung geeinigt, damit Familie und Beruf besser vereinbar sind. Für Oberösterreich bedeutet das laut AK: Mindestens 33,4 Prozent der Unter-Dreijährigen sollen einen Betreuungsplatz haben, bei den Drei- bis Sechsjährigen sind es 96 Prozent (ursprünglich lag dieser Wert bei 90 Prozent).
Nur drei von zehn Gemeinden erreichen das Ziel
Bei den Unter-Dreijährigen erfüllen laut Kinderbetreuungsatlas 2026 nur rund 30 Prozent der oberösterreichischen Gemeinden das Barcelona-Ziel – knapp 70 Prozent verfehlen es. Grundlage dafür sind Daten der Statistik Austria, die die AK für jede Gemeinde ausgewertet hat.
Anteil der oö. Gemeinden, die das Barcelona-Ziel bei den Unter-Dreijährigen erreichen (Quelle: Statistik Austria, AK-Berechnungen).
Die Ergebnisse nach Altersgruppen
Für den Atlas wurden die Gemeinden zwischen Mai und Juli 2026 gemeinsam mit dem Institut IFES befragt. Bewertet werden vor allem drei Dinge: Öffnungszeiten, Mittagessen und Schließtage im Jahr – getrennt für Kleinkinder, Kindergartenkinder und Volksschulkinder.
| Altersgruppe | Ergebnis der teilnehmenden Gemeinden |
|---|---|
| Unter 3 Jahre | 31 × 1A, 141 × A, 75 × B, 32 × C oder D |
| 3 bis 6 Jahre | 100 × 1A, 82 × A – aber in 80 Gemeinden sind die Kindergärten länger als die erlaubten fünf Wochen pro Jahr geschlossen |
| Volksschule | 93 × A, 186 Gemeinden nur Kategorie B oder schlechter |
Vor allem bei den Kleinkindern sieht die AK die Lage weiterhin kritisch. Fehlende Plätze, späte Aufnahmen und Öffnungszeiten, die nicht zum Arbeitsalltag passen, würden den Wiedereinstieg nach der Karenz erschweren – und das treffe besonders Mütter, so AK-Präsident Andreas Stangl. Bei den Volksschulkindern fehlt es laut AK vor allem an Nachmittags- und Ferienbetreuung.
Immer mehr Gemeinden liefern keine Daten
Auffällig ist, dass sich heuer 159 Gemeinden – rund 36 Prozent – nicht an der Erhebung beteiligt haben. Im Vorjahr waren es noch 125. Die AK bringt das unter anderem mit dem finanziellen Druck auf die Gemeinden in Verbindung.
Forderungen und Kritik
Die Arbeiterkammer fordert einen Rechtsanspruch auf einen qualitätsvollen Betreuungsplatz ab dem zweiten Lebensjahr bis zum Ende der Volksschule, mehr vollzeittaugliche Angebote, verpflichtende Bedarfserhebungen in den Gemeinden und eine langfristige Finanzierung für Ausbau und Personal – hier sieht sie vor allem das Land in der Pflicht.
Die OÖVP sieht das anders: Klubobfrau Margit Angerlehner verweist darauf, dass es für mehr als 90 Prozent der Kinder eine Betreuungsmöglichkeit bis 16 Uhr gebe, diese aber nur von 14 Prozent der Familien genutzt werde. Die AK-Erhebung hält sie für nicht repräsentativ.
Und der Bezirk Ried?
Aktuelle Bezirkszahlen für 2026 hat die AK bisher nicht gesondert veröffentlicht. Bei der vorherigen Erhebung (Arbeitsjahr 2023/24) lag der Bezirk Ried im Innkreis bei den Unter-Dreijährigen bei einer Betreuungsquote von 28,4 Prozent und damit rund fünf Prozentpunkte unter dem Barcelona-Ziel. Bei den Drei- bis Sechsjährigen lag die Quote mit 97,1 Prozent dagegen über dem Zielwert.
Im Online-Atlas der Arbeiterkammer kann man jede oberösterreichische Gemeinde einzeln aufrufen – mit Barcelona-Ziel, Kategorien je Altersgruppe und Details zu Öffnungs- und Schließzeiten.
→ Zum AK-Kinderbetreuungsatlas 2026
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